Zeit wofür?

Ein Abend erlöste den Tag, welcher mehr und mehr in der Dämmerung verschwand
Abschied vor dem Hintergrund der frohen Erwartung eines neuen Morgen
Stehend im Windschatten der Hausmauer verfolgte mein Blick das Treiben der Menge
Mechanisches Geschobenwerden unbeschreiblicher Menschenmassen
Keiner dem Anderen Beachtung schenkend, hinein in die frostige Dezembernacht
Einen Einzelnen erspähte mein Auge
Gegen die Menge vorandrängend, wacher Blick
Ein leises Lächeln auf den Lippen

Vollgestopfte Einkaufstüten erglitten einer alten Dame in Grau
Müde, geschoben, ausgelaugt
Menschenmengen trampeln blind darüber hinweg
Vorangetrieben von dahinten
Der Einzelne bückte sich nieder, die Waren aufzusammeln:
Kerzen, Spielzeug, Geschenkpapier, eine Aufnahme von Weihnachtsliedern: Stille Nacht

Ihr die Taschen überreichend erhaschte der Einzelne den Blick der alten Dame
Ob Jesus sich in diesem Weihnachtstrubel wohl fühlte, wenn er erneut zur Erde käme?
Schulterzuckend ihm zunickend ergriff sie die Tüten und entschwand in die graue Menge
Keine Zeit darüber nachzudenken, ich bin total im Weihnachtsstreß, hörte ich sie murmeln
Ende der Szene

Lange sann ich darüber nach, das Streben und Hetzen und Drängen der Menge im Blick
Sie alle begehen dieses Fest für Jesus, ging mir durch den Sinn.
Nur für Ihn - sagen sie
Auch tun wir so vieles doch nur für unsere Kinder, überlegte ich weiter
Ist etwa dies der Grund, warum wir so wenig Zeit für sie haben?

Kurzgeschichten


Designed by In Obscuro