Gedanken über Gott
Bist du zu fern dieser Erde
Auf daß es jemals Frieden werde?
Sind wir zu winzig deinem Blick
Als daß du bessertest unser Geschick?
Bist zu erhaben am himmlischen Orte
Geduldig zu lauschen meiner zaghaften Worte?
Sind wir vergessen, zu fern deiner Hand
Uns selbst überlassen, irrend im Land?
Bist du zu beschäftigt mit wichtgeren Dingen
Spürst du denn nicht, wie deine Werke zerrinnen?
Sag, gibt es dich wirklich, bist nicht bloß ein Gespinst
Nur in Köpfen ersonnen, doch kein Segen uns bringst?
Ich lebe seit jeher, ward niemals ersonnen
Würde ich lügen, hätt die Zeit nie begonnen!
Euch niemals zu fern zoll ich dennoch Respekt
Überlasse es jedem, zu tun was ihm scheint recht
Keiner braucht irren, gern weis ich euch den Pfad
Ohne Zwang sollt ihn gehen, nicht durch Drohn, nur mit Rat
Lausch eurem Rufen, halt mein Ohr stets bereit
Doch nur ich seh von oben, wann zum Handeln die Zeit
Bin wahrhaft beschäftigt mit wichtigsten Dingen:
Euch Einsicht, Erkenntnis und Stärke zu bringen!
Seid ihr auch winzig, hab euch teuer erkauft
Reich euch Hände entgegen, geleitend treu euren Lauf
Doch hört auf zu richten, denn dies steht euch nicht zu
Bin ich schuld allen Leidens? Der nicht höret, bist Du!
Forscht nach meiner Weisheit, bittet um meinen Geist
Kein Kind je mich suchte und fand sich verwaist!